Eine strategische Neuordnung mit weitreichenden Folgen für den deutschen Dachziegel-Markt: Der belgische Baustoffkonzern Etex verkauft seine deutsche Tochter Creaton an den französischen Wettbewerber Terreal. Creaton, einer der führenden Hersteller keramischer Dachziegel in Deutschland, wechselt damit den Eigentümer – und verschärft den Konsolidierungsdruck in einem Marktsegment, das bereits von hoher Konzentration geprägt ist.
Die Transaktion erfolgt nur wenige Jahre nach der Übernahme von Creaton durch Etex und markiert eine Kehrtwende in der Baustoffstrategie des belgischen Konzerns. Etex hatte Creaton 2019 vom österreichischen Ziegelhersteller Wienerberger übernommen, um seine Position im Segment hochwertiger Dachdeckungsmaterialien zu stärken. Mit dem Verkauf an Terreal konzentriert sich Etex nun offenbar verstärkt auf andere Geschäftsfelder – wie zuletzt durch die Bündelung von Siniat und Promat im Trockenbau- und Brandschutzmarkt deutlich wurde.
Für Terreal bedeutet die Akquisition einen strategischen Zugang zum deutschen Markt, der sich durch hohe Qualitätsanforderungen und eine stabile Nachfrage im Sanierungsbereich auszeichnet. Creaton verfügt über ein breites Portfolio an Tondachziegeln mit regionalen Formvarianten, die insbesondere im süddeutschen Raum stark verankert sind. Die Dachziegel erfüllen die normativen Anforderungen nach DIN EN 1304 und werden in verschiedenen Deckarten – von der Kronendeckung bis zur Doppeldeckung – eingesetzt. Neben klassischen Ziegeln bietet Creaton auch Systemlösungen für Unterdachbahnen und Zubehör, die im Kontext des zunehmenden Holzbaus an Bedeutung gewinnen.
Die Übernahme verschärft den Wettbewerb im deutschen Dachziegel-Premiumsegment, in dem neben Creaton vor allem Erlus, BMI/Braas und Röben etabliert sind. Planer sollten die Marktentwicklung beobachten: Konsolidierungen können zu veränderten Lieferketten, angepassten Produktportfolios und gegebenenfalls zu Preisanpassungen führen. Im Kontext energetischer Sanierungen, bei denen die Dacheindeckung häufig mit Dämmmaßnahmen kombiniert wird, spielen Dachziegel eine zentrale Rolle – ihre Langlebigkeit (>50 Jahre) und Rezyklierbarkeit machen sie zu einem nachhaltigen Baustoff gemäß EPD-Kriterien.
Für Etex bleibt abzuwarten, ob der Verkauf von Creaton Teil einer umfassenderen Portfolio-Bereinigung ist oder ob der Konzern seine Ressourcen gezielt auf Fassaden-, Trockenbau- und Faserzementprodukte verlagert – Segmente, in denen Etex in Europa bereits führende Positionen innehat. Die Transaktion unterstreicht zugleich die Dynamik im europäischen Baustoffmarkt, in dem strategische Portfolioentscheidungen zunehmend von Nachhaltigkeitszielen, Marktkonzentration und regulatorischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
