Eine Entwicklung, die die Dekarbonisierung der keramischen Industrie beschleunigen könnte: Wienerberger wurde gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) mit dem Net-Zero Industries Award der Europäischen Kommission ausgezeichnet. Die Preisverleihung signalisiert den wachsenden Fokus der EU auf klimaneutrale Industrieprozesse und positioniert den Baustoffkonzern als technologischen Vorreiter in der Ziegelproduktion. Der Award honoriert Projekte, die einen messbaren Beitrag zur Reduktion industrieller CO₂-Emissionen leisten und gleichzeitig Skalierbarkeit sowie Wirtschaftlichkeit nachweisen.
Hintergrund der Auszeichnung ist die Kooperation zwischen Wienerberger und dem AIT an innovativen Lösungen zur Prozessoptimierung in der Ziegel- und Keramikherstellung. Die Brennprozesse in der keramischen Industrie zählen zu den energieintensivsten Verfahren im Baustoffsektor: Tunnelöfen erreichen Temperaturen bis 1200 °C, wobei derzeit überwiegend fossile Energieträger eingesetzt werden. Die Transformation hin zu alternativen Brennstoffen, Wasserstoff-basierten Prozessen und Carbon-Capture-Technologien ist daher entscheidend für die Klimabilanz der Branche. Wienerberger hat in den vergangenen Jahren in mehreren Werken Pilotprojekte zur Nutzung von Biomasse, grünem Wasserstoff und Elektrifizierung von Teilprozessen realisiert.
Die Relevanz der Auszeichnung geht über die Unternehmensebene hinaus: Die EU-Kommission hat mit der Net-Zero Industry Act-Initiative das Ziel formuliert, bis 2030 mindestens 40 % der benötigten Clean-Tech-Produkte in Europa zu produzieren. Baustoffhersteller wie Wienerberger, aber auch Heidelberg Materials und Holcim im Zementbereich, stehen dabei im Fokus: Ihre Produktionsprozesse sind energie- und emissionsintensiv, gleichzeitig sind sie systemrelevant für die Bauwirtschaft. Der Net-Zero Industries Award schafft politische Sichtbarkeit und stärkt die Verhandlungsposition für Förderungen im Rahmen von Innovation-Fund-Programmen und staatlichen Investitionspaketen.
Für die Lieferkette bedeutet die Auszeichnung eine Signalwirkung: Planer und Bauherren, die EPD-Daten und klimaneutrale Materialien nachfragen, finden in Wienerberger einen Partner mit validierter Technologiekompetenz. Besonders im Segment energieeffizienter Fassaden und hochwärmedämmender Wandkonstruktionen – etwa mit monolithischen Ziegelsystemen gemäß GEG-Anforderungen – wird die CO₂-Bilanz der Ausgangsmaterialien zunehmend zum Auswahlkriterium. Die Kombination aus Produktinnovation und Prozessdekarbonisierung stärkt Wienerbergers Position in ausschreibungsrelevanten Nachhaltigkeitsbewertungen nach DGNB oder BREEAM.
Die Auszeichnung reiht sich ein in eine Serie von Konsolidierungs- und Investitionsschritten: Wienerberger hatte zuletzt die Übernahme von Creaton abgeschlossen und signalisiert damit die strategische Ausrichtung auf Marktführerschaft in dekarbonisierten Baustoffen. Der Net-Zero Industries Award unterstreicht diese Positionierung mit technologischer Validierung auf EU-Ebene.