Eine Entwicklung, die das Recycling mineralischer Baustoffe neu definieren könnte: Etex und Heidelberg Materials haben eine Partnerschaft zur Schaffung eines geschlossenen Kreislaufs für Faserzement angekündigt. Dabei wird Faserzement-Abbruchmaterial erstmals systematisch in die Zementproduktion zurückgeführt – ein Schritt, der die bislang geringe Recyclingquote dieses mineralisch gebundenen Werkstoffs deutlich erhöhen könnte.

Faserzement, der vor allem in Fassadenplatten und Dacheindeckungen zum Einsatz kommt, besteht aus Portlandzement, mineralischen Zuschlägen und Zellulosefasern. Die Herausforderung im Recycling liegt in der festen Bindung der Bestandteile: Während Recyclingbaustoffe wie Betonbruch längst etabliert sind, blieb Faserzement bislang weitgehend unberücksichtigt. Beide Partner wollen nun Rücknahmesysteme aufbauen, bei denen Faserzement-Abbruchmaterial aus Sanierungs- und Rückbauprojekten gesammelt, aufbereitet und als Sekundärrohstoff in die Zementherstellung eingespeist wird.

Für Etex, der zu den führenden Anbietern von Fassaden- und Dachsystemen in Europa zählt, ist die Partnerschaft ein Baustein zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks der eigenen Produkte. Die Integration von Recyclingmaterial senkt die Notwendigkeit für primären Klinker und damit den Energieaufwand in der Produktion. Heidelberg Materials profitiert von einer zusätzlichen Quelle für Sekundärbrennstoffe und mineralische Rohstoffe – bei gleichzeitiger Steigerung des Klinkerfaktors in der Zementrezeptur durch den Einsatz recycelter mineralischer Bestandteile.

Die Initiative reiht sich in eine Serie von Kreislaufmodellen ein, die beide Unternehmen in jüngerer Zeit verfolgen. Etex hat bereits mit der Bündelung von Siniat und Promat seine Marktposition im Trockenbau gestärkt und setzt verstärkt auf EPD-zertifizierte Produkte. Heidelberg Materials wiederum treibt die Verwendung von Stahlschlacke und alternativen Zementen voran – etwa im Rahmen der Kooperation mit SSAB zur kohlenstoffarmen Zementproduktion.

Aus Sicht von Planern und Baustoffhändlern ist die Entwicklung vor allem dann relevant, wenn das Rücknahmesystem auch wirtschaftlich skalierbar ist. Entscheidend wird sein, ob sich die logistischen Aufwendungen für Sammlung und Aufbereitung durch die Einsparung primärer Rohstoffe kompensieren lassen. Sollte das gelingen, könnte das Modell auch auf andere mineralisch gebundene Werkstoffe übertragen werden und die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen nachhaltig stärken.